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Dr. Marcus Leifeld mit seinem Werk über den Kölner Karneval in der Zeit des Nationalsozialismus

Wissenschaftlich aufgearbeitet – der Karneval in der NS-Zeit

Köln | Das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln (NS-Dok) stellte heute den 18 Band seiner Schriftenreihe vor. Verfasser ist Dr. Marcus Leifeld, dessen Dissertation Grundlage für das wissenschaftliche Werk „Der Kölner Karneval in der Zeit des Nationalsozialismus ist“. Am 3. März 2015 um 19 Uhr wird das Buch einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Zudem soll der Film gezeigt werden, der Szenen aus dem Rosenmontagszug 1936 enthält.

Auf 386 Seiten bildet Marcus Leifeld die Zeit des Nationalsozialismus und den damit verwobenen Alltag des Kölner Karnevals ab. Wo und wie passte sich der Karneval und umgekehrt auch das Regime, bezogen auf die lokalen Eliten, den Denk- und Propagandaschemata des Nationalsozialismus an. Ein Ansatz, so Leifeld, sei gewesen, welche Gruppen hatten Teil, welche wurden ausgegrenzt und wer hat letztendlich mitbestimmt, wenn es um das Fest ging. 1933 habe es 36 Karnevalsgesellschaften mit rund 3.000 Aktiven gegeben. Leifeld wählte daraus 102 Personen, vor allem aus der Führungsebene der Karnevalsgesellschaften und dem Festausschuss, dem heutigen Festkomitee, aus. Wer war in der NSDAP, wer ist wann eingetreten und aus welcher Berufsgruppe waren die handelnden Personen. Dazu gesellte sich die Analyse der Karnevalsmusik und Büttenreden der damaligen Zeit, ihre Inhalte, natürlich auch die Motivwagen des Rosenmontagszuges und das Schicksal der jüdischen Karnevalisten.

Dazu durchforstete Leifeld Archive von Karnevalsgesellschaften, Vereinsregister, staatliche Archive, Pressearchive, Rosenmontagszeitungen und dort alleine 250 Rosenmontagszugwagen und deren Entwürfe. Aber auch die Stimmungsberichte der „Kraft durch Freude“-Bewegung, dem Gemeindeblatt der Kölner Synagogengemeinde, Sondergerichtsakten und sogar das Pariser Tageblatt, mit den Reaktionen der Exil-Kölner. Leifeld beschreibe den Herrschaftsalltag während der NS-Zeit, lobt denn auch Dr. Jung vom NS-Dok, und den möglichen Handlungsfeldern und deren Grenzen. Auch wie das Regime lernen musste, dem Fest Freiräume einzugestehen. Denn der NS Funktionär Wilhelm Ebel, der seit 1924 im Kölner Rat Mitglied war, scheiterte etwa mit dem Versuch Büttenredner zu zensieren und den Karneval in seine Hand zu bekommen. Es kam keine Stimmung mehr auf und so kam es 1935 zur Narrenrevolte und der Boykottandrohung, die den NS-Oberen aber auch nicht gefiel, versprach man sich vom Karneval wirtschaftliche und touristische Prosperität. Und so wandelte auch das Regime ab Mai 1935 seine Strategie. Man verzichtete auf Unterdrückung und verlegte sich darauf ein Netzwerk loyal ergebener Personen im Karneval zu etablieren. So waren 60 Prozent der Vorstände in Karnevalsgesellschaften in der NSDAP.

Die Karnevalisten ihrerseits gingen schon im November 1933 auf die neuen Machthaber in Köln zu und boten an den Karneval so zu gestalten, wie das NS-Regime sich das vorstellte. Also Klüngeln für weitere Autonomie, aber auch die Hoheit über das Fest zu behalten. So waren nur 11 Prozent der Veranstaltungen von der NS-Freizeitorganisation „Kraft durch Freude“ geleitet worden. Ab dem Jahr 1936 begann man das Fest auch inhaltlich gleichzuschalten. Im Juni 1935 wurde der Arier-Paragraf in der Satzung des Festausschusses aufgenommen, die dann als Mustersatzung von allen 36 aktiven Karnevalsgesellschaften übernommen wurde. Und ab 1936 gab es dann auch acht antisemitische Persiflagewagen in den Rosenmontagszügen der NS Zeit, sowie weibliche Darsteller der Jungfrau im Dreigestirn. Auch die Lieder und Reden wurden auf die Feindbilder des NS-Regimes ausgelegt, so ging es etwa gegen England, Frankreich und Stalin und Russland. Das spannende sei der Aushandlungsprozess zwischen Regime und Karnevalsfunktionären der zur Gleichschaltung geführt habe, so Leifeld.

Dr. Werner Jung, begrüßte das heute die Verstrickung des Festausschusses und der Karnevalsvereine mit den NS-Grandebn offen - auch von den Verantwortlichen des Festkomitees - diskutiert werde und es ein Ende habe mit der Mär der Karneval sei im Widerstand zum NS-Regime gewesen und lobt: „Dank des breit aufgestellten Forschungsansatzes gelingt Marcus Leifeld weit mehr als eine begrenzte Geschichte des Kölner Karnevals in der NS-Zeit, sondern am Beispiel des Karnevals eine differenzierte und umfassende Studie zum Herrschaftsalltag in der Kölner Gesellschaft während des Nationalsozialismus.

Marcus Leifeld
Der Kölner Karneval in der Zeit des Nationalsozialismus
Vom regionalen Volksfest zum Propagandainstrument der NS-Volksgemeinschaft

Schriftenreihe des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln
Band 18

Emons Verlag 2015
ISBN 978-3-95451-405-2
496 Seiten
39,95 Euro

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