Kultur Bühne

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Suche nach neuer Schauspielintendant*in wirft Fragen auf und irritiert

Köln | aktualisiert | Köln, falsch OB Reker sucht – oder sucht Köln, beziehungsweise OB Reker gar nicht? – eine Nachfolger*in für Stefan Bachmann. Der ist Intendant des Schauspiels der Stadt Köln und kündigte schon 2018 an, den Ort seines Wirkens verändern zu wollen, um seine Kreativität fluid zu erhalten. Zunächst scheiterte die Stadt vielbeachtet mit einer Nachbesetzung, dann folgte eine von Oberbürgermeisterin Henriette Reker eingesetzte Findungskommission. Die suchte zwei Jahre und fand niemand Neuen. Jetzt solle der Vertrag mit Bachmann erneut bis 2026 verlängert werden. Die FDP spricht von einem "Alarmsignal für die Kölner Kultur". Die anderen Parteien im Kölner Rat sind sprachlos, die SPD äußerte sich mittlerweile in einem Statement ihrer kulturpolitischen Sprecherin Maria Helmis.

Zwei Jahre Suche der Findungskommission von OB Reker zur Neubesetzung der Schauspielintendanz und am Ende steht der Vorschlag den Vertrag mit Stefan Bachmann zu verlängern. Die Stadt Köln stellt dies in ihrem offiziellen Statement als Erfolg dar und will die Entscheidung darüber nicht im Rat, sondern im öffentlich wesentlich weniger beachteten Hauptausschuss am 19. Juli abnicken lassen, der auch noch mitten in den NRW-Sommerferien liegt.

Der Vertrag von Stefan Bachmann läuft noch bis zum 31. August 2023. Reker will den Vertrag jetzt bis zum 31. August 2026 mit Stefan Bachmann verlängern lassen. Damit bleibt Bachmann Intendant über die aktuelle Wahlperiode des Rates und der Oberbürgermeisterin hinaus. Denn 2025 findet die nächste Kommunalwahl statt, in der auch die OB-Wahlen integriert sind. In der PR-Mitteilung wird Reker zitiert: „Es ist mir ein besonderes Anliegen, mit ihm für herausragende künstlerische Qualität zu sorgen. Stefan Bachmann würde weiterhin ein internationales Programm bieten, das über Köln hinaus strahlt.“

Und die Findungskommission, die OB Reker einsetzte? Nach der PR-Meldung der Stadt Köln soll Ulrich Khuon, Intendant des Deutschen Theaters Berlin und bis Ende des vergangenen Jahres Präsident des Deutschen Bühnenvereins, der die Stadt Köln nicht nur beriet, sondern zwei Jahre lang die Findungskommission leitete, die Vertragsverlängerung als folgerichtig dargestellt haben. Aus einer zwei Jahre langen Suche ist eine Vertragsverlängerung die einzig folgerichtige Konsequenz? Braucht es für eine solche Erkenntnis wirklich zwei Jahre und eine von der Stadt als hochkarätig besetzt angepriesene Findungskommission?

Nur die Kölner FDP hinterfragt den Prozess

Die Kölner FDP spricht davon, dass die Neubesetzung der Schauspielintendanz erneut abgebrochen worden sei und Lorenz Deutsch MdL, kulturpolitischer Sprecher der FDP-Ratsfraktion spricht von einem "Alarmsignal für die Kölner Kultur".

Deutsch: „Ich schätze Stefan Bachmann sehr und das Schauspiel ist bei ihm in bewährten Händen. Trotzdem ist die erneute Verlängerung seines Vertrages sehr irritierend. Dass nun zum zweiten Mal keine Nachfolgelösung gefunden wurde, ist kein gutes Signal aus der Kulturstadt Köln. Nach dem blamablen Scheitern im Jahr 2019, ist es mehr als erstaunlich, dass eine prominent besetzte Findungskommission nicht in der Lage ist, nach zweijähriger Suche eine überzeugende Nachfolge zu benennen. Ist Köln für eine starke Bewerbung nicht mehr attraktiv genug? Im Rathaus müssen die Alarmleuchten rot blinken, denn es ist aktuell noch eine Stelle zu besetzen: die des Kulturdezernates. Es ist offensichtlich, dass die Kultur in Köln eine neue, überzeugende Aufstellung braucht. Diese Besetzung ist für die Zukunft der Kölner Kultur nicht zu überschätzen und muss unbedingt sitzen!“

Und die anderen Parteien im Kölner Rat? Die kulturbeflissenen Kölner Grünen sagen nichts, die SPD äußerte sich mittlerweile (siehe unten), die CDU auch nicht und selbst die Guten, sonst kulturpolitisch immer sprachfähig, enthalten sich einer Kommentierung und Nachfrage hinter diesem doch Fragen aufwerfenden Prozess einer Findungskommission, die nichts findet? Sind denn alle schon in den Ferien?

Kölner SPD ist unzufrieden mit dem Verfahren

Maria Helmis, die kulturpolitische Sprecherin der SPD-Ratsfraktion: „Da sucht eine Findungskommission zwei Jahre eine Nachfolge für den Schauspielintendanten – um am Ende den Amtsinhaber vorzuschlagen, der Köln nur als Übergangsstation gesehen hat. Sowas kann es wirklich nur in Köln geben! Ist der Kulturstandort durch die aktuelle Personalpolitik mittlerweile dermaßen runtergewirtschaftet, dass niemand außer Herrn Bachmann den Job überhaupt noch haben wollte? So sehr wir die Arbeit von Herrn Bachmann in der Vergangenheit schätzen, so unzufrieden sind wir mit dem ganzen Verfahren. Wir werden dem Vorschlag zur Verlängerung des Vertrags von Herrn Bachmann darum nicht zustimmen."

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