Kultur Kunst

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Fuhrwerkswaage Kunstraum zeigt in den Sürther Vorgärten die Schau „KunstHonig“

Wenn die Kunst auf große Bienenvölker trifft

Köln | Die Beute ist ein Bienenkasten und die Bienen sind ein Wirtschaftsvolk, das Honig produziert. Der Düsseldorfer Künstler Clemens Botho Goldbach hat für die Beute ein kleines tempel- oder kapellenartiges Heiligtum geschaffen, das gelb in der Sonne glänzt und das im Garten von Ursula und Peter Rohde in Sürth ein echter Hingucker ist. Der Bienenkasten selbst steht auf einem Sockel, auf dem ein Motiv des 200-Euro-Scheins zu erkennen ist. „Seit 2012 setze ich mich mit den Architekturmotiven der Euroscheine auseinander. Auf dem 200-Euro-Schein ist die Epoche der Industrie- und Eisenarchitektur zu sehen. Das passt gut zu meiner 'Systembeute 200 für ein Wirtschaftsvolk'“, erklärt Goldbach den Gedanken zum Titel seines Werks.

Zu sehen ist dieses bei der Sonderschau des Fuhrwerkswaage Kunstraums in Sürth. Dort haben sich unter dem Titel „KunstHonig – von Beuten, Skulpturen und Vorstadtgärten“ 14 Künstler, acht Imker, zwölf Gartenbesitzer und neun Bienenvölker zu einem besonderen Projekt zusammengefunden. In neun der zwölf Skulpturen unter freiem Himmel leben Bienen und beleben so die Kunst auf ihre ganz eigene Art und Weise. Damit Kunst und Bienen zusammenkommen, gab es vor ab intensive Gespräche zwischen Imkern und Künstlern. Dort wurde ausgetauscht, wie Bienen leben und welche Ideen für Skulpturen vorhanden und umsetzbar sind.

Zu sehen gibt es die Kunst, zu der auch eine Performance sowie verschiedene Videokunstwerke gehören, nur bei den Führungen zu festen Terminen, an denen maximal zwölf Interessierte teilnehmen können. Geschulte Guides bringen die Kunstfans vom Startpunkt in der Fuhrwerkswaage zu den Sürther Vorstadtgärten, in denen die Skulpturen mit ihren Bewohnern ihren Platz gefunden haben. Etwa zwei Stunden dauert die Tour durch Sürth. Termine gibt es am 4., 5., 11. und 12. Juli sowie am 15. und 16. August. Samstags werden Führungen von 13 bis 17 und sonntags von 13 bis 16 Uhr angeboten. Gestartet wird alle 15 Minuten. Eine Voranmeldung ist erforderlich.

Zu entdecken gibt es eine faszinierende Vielfalt bei den Skulpturen genauso wie bei den Gärten, die sich wie verborgene Paradiese den Gästen öffnen. Das gilt auch für den Garten von Günter Preiß und Ursula Kremer-Preiß. Dort befindet sich eine dunkelrote, geometrische Skulptur „Null-Relikt“ aus Plexiglas von Alexander Föllenz mit einem Bienenkasten in ihrem Innenleben. Von außen können die Bienen beobachtet werden, die durch einen Schlitz in das Kunstwerk fliegen. Die Bienen selbst erkennen die Betrachter nicht, für sie bildet das Rot einen geschlossenen Kasten ohne Durchsicht. Umrahmt wird die Kunst von Palmen, Schilf und einem Feigenbaum.

Der große Garten einer prächtigen Villa bildet die Kulisse für das Werk von Christiane Rasch. Sie hat lange nach dem geeigneten Ort und vor allem für den geeigneten Baum für ihre Idee gesucht. „Meine Anregung fand ich bei der Ummantelung von Bäumen an Baustellen. Sie verbergen etwas Geheimnisvolles und doch kann man ein wenig vom Inneren erkennen. So wird der Baum Teil des Kunstwerks und die Bienen verlassen es durch einen pink markierten Schlitz im Holz. In direkter Nachbarschaft finden sich klassisch anmutende Skulpturen und ein riesiger Mammutbaum.

Ganz anders wirkt die Idee von Bastian Hoffmann: Im Garten des Hotels und Restaurants „Fladerhof“ steht auf einer Parkbank eine verlassene pinkfarbene Liefertasche von Foodora. Darin befinden sich die 3000 Bienen in ihrem Kasten, die diesen durch eine kleine Öffnung im Reißverschluss verlassen. „Es passt gut in unsere Zeit. Zum einen ist das Ausliefern mit Rädern nachhaltig, anderseits stehen die Arbeitsbedingungen der Leute bei so einem Lieferservice in der Kritik. Umgekehrt haben wir die Szenerie – hier wird kein Essen in der Tasche ausgeliefert, sondern die Bienen produzieren Essen in deren Inneren“, sagt Hoffmann.

Etwas unweit gab es übrigens in einem der Gärten eine kleine Besonderheit. Dort hatten drei Künstler aus schwarzen Dreiecken das Sternbild der Biene nachgebaut und mit einem umlaufenden Schriftzug versehen. Der dort integrierte Bienenkasten musste nicht bestückt werden, ein Bienenvolk hatte sich dort ganz freiwillig eingenistet – die Kunst scheint ihnen wohl gefallen zu haben.

Service: Die Tickets für die Führungen kosten zwölf (ermäßigt) acht Euro. Vorab gebucht werden können diese online unter: www.eventim-light.com

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