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„Stadt mit Skulpturen“: Susanne Rauprich führt durch Kölns Kunst im öffentlichen Raum

Köln | Seit vier Jahren lässt das Kölner Kulturdezernat mit dem Projekt „Stadtlabor“ Kunst im öffentlichen Raum kritisch hinterfragen. Ein offizielles Verzeichnis aller Kunstwerke gibt es bislang nicht. Da kann das jetzt erschienene Buch „Stadt mit Skulpturen“ von Susanne Rauprich aus dem Marzellen-Verlag zumindest eine kleine Lücke schließen.

60 Kunstwerke hat sich die Kunsthistorikerin ausgesucht – ein winziger Ausschnitt, wenn es alleine über 100 Brunnen gibt. In fünf thematischen Kapiteln werden sie vorgestellt – in einfachen Worten, sachlich, aber mit sichtbarer Freude am Objekt. Auch auf das städtische Umfeld und historische Zusammenhänge wird eingegangen. Kurze, eingestreute Beiträge wecken die Lust, sich grundsätzlich mit Skulpturen oder Kunst am Bau zu beschäftigen.

Auch Kunstwerke, die eher übersehen werden, werden vorgestellt

Neben so prominenten und augenfälligen Kunstwerken wie den Denkmälern für Willy Millowitsch, Edith Stein oder Otto von Bismarck, Ma’alot auf dem Heinrich-Böll-Platz, der Eistüte am Neumarkt, den „Stolpersteinen“ oder dem Bierbrunnen auf auf der Schildergasse lenkt sie den Blick auch auf solche, die eher unbeachtet sind.

Etwa das Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus vor dem Messeturm, die Schmitzsäule in der Altstadt (Tünnes und Schäl laufen ihr die Aufmerksamkeit ab), die Beuys’schen Basaltsäulen von St. Gereon oder die „Kölner Wand“ zwischen Historischem Rathaus und dem Nachkriegsanbau, zur Zeit durch die Bauarbeiten zur Archäologischen Zone etwas aus dem Blickfeld geraten. Das regt zum (Wieder-)Entdecken an – auch mal auf der schäl Sick.

Dass angesichts der Fülle die Auswahl subjektiv ausgefallen ist und der Leser das ein oder andere „seiner“ Lieblingsobjekte vermissen wird, liegt auf der Hand, schmälert aber den Wert des Buches nicht. Warum allerdings HA Schults Weltkugel auf dem DEVK-Haus gegenüber dem Zoo (er ist mit seinem „Flügelauto“ auf dem Stadtmuseum und seinem „Trashpeople“ auf Früh am Dom vertreten) nicht aufgegriffen wird, ist ein Rätsel. Schließlich eröffnet ein wunderbares Foto davon das Kapitel „Skulpturen an und auf Gebäuden“. Wobei sich dieser Führer nicht zuletzt durch das großzügige Layout und die hervorragenden Fotos auszeichnet.

Für Kritik sind Konrad Adenauer und Barbara Schock-Werner zuständig

Kritische Anmerkungen sind Susanne Rauprichs Sache allerdings nicht. Gab es Auseinandersetzungen um ein Kunstwerk, erwähnt sie dies meist nur beiläufig und eher dann, wenn es schon länger zurück liegt. An die Diskussionen zu erinnern, die es etwa um das Adenauer-Denkmal neben St. Aposteln oder um das Flügelauto gab, überlässt sie – geschickt und diplomatisch – Konrad Adenauer, dem Urenkel von Kölns ehemaligen Oberbürgermeister.

Und Ex-Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner darf über den Hang der Kölner zum Lokalkolorit und den schlampigen Umgang der Stadt mit ihrer Kunst im öffentlichen Raum lästern, sei es am Beispiel der Domumgebung, des Heinzelmännchenbrunnens oder der kinetischen Fassadenplastik an einem Geschäftshaus an der Hohe Straße.

Ob Adenauer oder Schock-Werner: Es macht Spaß, beide Gespräche zu lesen. Sie machen das Buch zu einer richtig runden Sache.

Susanne Rauprich: „Kölnplus Band 2 – Stadt mit Skulpturen“ – Marzellen-verlag, köln 2017. 120 Seiten, zahlreiche Fotos. 11 Euro

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