Köln | Die Absage der Art Cologne 2020 ist nicht nur für die Galerien schmerzhaft. Auch für das Museum Ludwig ist es ein Verlust. Museum Ludwig-Chef Dr. Yilmaz Dziewior erklärt die Gründe.

Die ART COLOGNE, einer der wichtigen jährlich Events in der Kunststadt Köln, ist abgesagt. Wie sehr schmerzt das das Museum Ludwig?

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Dass die ART COLOGNE in diesem Jahr abgesagt wurde, ist nicht nur ein großer Verlust für die Kunst. Für viele ist die Messe ein Highlight und auch für das Team des Museum Ludwig und seine Fördervereine ein absolutes Muss.

Die ART COLOGNE, sozusagen nur eine Rheinbrücke vom Museum Ludwig entfernt, hat Ihnen auch in jedem Jahr nicht wenige Besucher zusätzlich in’s Haus gebracht. Kann man das beziffern?

Die zusätzlichen Besucher*innen durch die ART COLOGNE sind nicht nur zahlenmäßig für uns wichtig. Da es sich um ein internationales Fachpublikum handelt, schmerzt deren Abwesenheit dieses Jahr besonders.

Die ein oder andere Kölner Galerie und auch so mancher Künstler in Köln beklagt, dass die ART COLOGNE ein ziemlich von Köln getrenntes Eigenleben führt. Erleben Sie das auch so?

Diese Einschätzung kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Die ART COLOGNE ist sehr gut in Köln und dem gesamten Rheinland verankert. Dies sieht man nicht zuletzt an den von ihr koordinierten Ausstellungseröffnungen in den Kunstinstitutionen der Region.

Eine Querverbindung zwischen ART COLOGNE und Museum Ludwig, genauer: der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig, ist der Wolfgang-Hahn-Preis, der einen Künstler oder eine Künstlerin auszeichnet, von dem/der dann ein Werk für das Museum erworben wird. Der Wolfgang-Hahn-Preis wird traditionell auf der ART COLOGNE verliehen. Das wird nun nicht möglich sein. Wie geht es hier weiter?

Die Verleihung des Wolfgang-Hahn-Preises 2020 an Betye Saar haben wir aufgrund der ausgefallenen ART COLOGNE auf den März 2021 verschoben. Das bedeutet, dass wir 2021 gleich zweimal den Wolfgang-Hahn-Preis verleihen, denn im November geht der Wolfgang-Hahn-Preis 2021 an Marcel Odenbach.

Wenn Sie an Ihre eigenen Besuche auf der ART COLOGNE denken, wie viel Inspiration und Information, hat Ihnen das gebracht?

Mein Besuch auf der ART COLOGNE war stets von Inspiration und Information geprägt. Dies betraf zum einen den Austausch mit den Kolleg*innen, wie aber auch das Entdecken von jungen bis dahin noch unbekannten Positionen. Gleichzeitig habe ich auch immer wieder hoch qualitätsvolle Arbeiten des 20. Jahrhunderts entdeckt.

Nun sind Sie als Museum Ludwig-Chef (hoffentlich) bestens über alles auf dem Laufenden, was es an aufregenden neuen Dingen in der Kunstwelt gibt. Erinnern Sie sich trotzdem an einen Künstler oder ein Kunstwerk, den/das Sie in den vergangenen Jahren auf der ART COLOGNE entdeckt haben?

In den letzten Jahren habe ich auf der ART COLOGNE sehr interessante Arbeiten von Gerry Bibby und Jesse Darling gesehen und es gelang dem Museum Ludwig, eine sehr wichtige Arbeit von Leon Polk Smith zu erwerben und wir waren sehr stolz, diese Arbeit in der Ausstellung „Mapping the Collection“ einem breiteren Publikum präsentieren zu können.

Hätten Sie auch für das Museum Ludwig auf der ART COLOGNE gekauft, wenn Sie gekonnt hätten?

Sicherlich hätten wir auch in diesem Jahr etwas auf der ART COLOGNE erworben, nicht zuletzt weil die FREUNDE der ART COLOGNE die Kölner Museen bei diesen Ankäufen unterstützen.

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Interview: Christoph Mohr

Autor: Interview: Christoph Mohr | Foto: Albrecht Fuchs

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