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SC Janus: 35 Jahre gelebte Toleranz und Solidarität

Köln | Der SC Janus wird 35 Jahre, denn wie es sich für einen richtigen deutschen verein gehört, wird erst dann gefeiert, wenn die Eintragung im Amtsgericht vollzogen war. Und das war 1980, obwohl einigen schwule Männer und ihre heterosexuellen Freunde schon 1979 den Volleyballclub Janus gegründet hatten. Heute ist das alles ganz anders, der SC Janus ist international vernetzt, hat Gay Games mit ausgerichtet, 1.700 Mitglieder und ist auch gesellschaftlich engagiert.

Ist also alles paletti?

Ja und nein, das spürt man auch ganz deutlich an diesem heißen und beginnenden Sommerabend, wenige Stunden bevor die rauschende Party zum Jubiläum in der Wolkenburg stattfinden wird. Imke Duplitzer, weltbekannte Fechterin wünscht sich etwa vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) mehr Mut homophob zu sein, als Basis einer Diskussion wo man noch mehr tun könne. Sie erzählt von versteckter Homophobie im Leistungssport und seinem Umfeld von Funktionären und Sponsoren, die immer hinter der vorgehaltenen Hand zu spüren sei. Es sei dort nicht normal zu sagen man gehe jetzt mit seiner Freundin zum schwimmen. Da gebe es dann immer gleich den Vorwurf seinen Sex vor sich herzutragen. Obwohl genau dies völlig normal sei. Darum seien Vereine wie der SC Janus so wichtig, damit man als Lesbe, Schwuler, Hete, Trans oder wie auch immer einfach Sport machen kann, entspannen und sein normales Leben führen kann.

Vom Herren-Volleyball zu 80 Sportarten

Aber noch einmal zurück auf Anfang, als alles begann. 1979 spielten einige schwule Herren mit ihren heterosexuellen Freunden Volleyball. So fing alles an. Dann kam Schwimmen, Badminton und die beliebte Gymnastik dazu. 1999 betrat man das internationale Parkett, verlor aber gegen Manchester den Pitch um die Eurogames, 2003 bewarb man sich für die Gay Games, erhielt 2005 den Zuschlag und setzte diese 2010 als letzte echte Veranstaltung eines Sportvereines um. Dazwischen war noch die schwul-lesbische Fußballweltmeisterschaft. Die Erfolge sind groß, die Medaillienspiegel zu jeder Meisterschaft wachsen. Heute sagt der Vorsitzende Lohaus war man der erste, damit der älteste und sei der größte schwul lesbische Sportverein Europas. Lohaus lobte die Kreativität der SC Janus Sportwarte, die schon auch mal eine Zirkusgruppe betreuten und hofft auf viele weitere Jahre SC Janus.

Der Leistungssport braucht eine Diskussion über Homophobie

Imke Duplitzer, betreut die Fechtgruppe beim SC Janus. Sie ist eine Leistungssportlerin die 2004 nicht ganz freiweillig geoutet wurde. Sie erzählt von Verletzungen die sie danach im Leistungssport erleben musste, von Ausgrenzung, die nicht offen, sondern eher still erfolgen. Da wird man als Sportlerin gefragt, etwa wenn es um den SC Janus geht, also schwul-lesbische Sportvereine: "Braucht ihr Homos immer diese Selbstgettoisierung?" Sie findet Vereine wie den SC Janus, die sich aus der Community heraus entwickelt haben, daher für sehr wichtig. Sie seien das mahnende Beispiel für traditionelle Einrichtungen wie den DOSB. Andreas Wolter, Grüne, Bürgermeister der Stadt Köln, ist selbst Mitglied im SC Janus und erinnert sich an seine Spiele mit dem Volleyballteam im Bergischen Land, etwa in Wipperfürth. Dort hätte man für Aufsehen gesorgt, weil man eben ein gemischtes Team gewesen sei. Heute fährt Wolter auf Leichtathletik-Wettkämpfe im Seniorenbereich und wünscht sich, dass man auf den Meldelisten auch erkenne, um welchen Verein es sich handele. "Ich bin stolz für diesen Verein zu starten", so Wolter, der auch ein flammendes Plädoyer und Bekenntnis für Diversität in einer Stadt wie Köln hielt. Gerade der Sport, so Wolter, schaffe es Barrieren zu überwinden, etwa wenn man an die vielen Flüchtlinge denke, die nach Köln gekommen seien. Gerade bei Sport fallen die Barrieren, die oft durch Bildung oder Sprache aufgebaut würden.

International vernetzt und lokal sozial

Beim SC Janus hat man dies begriffen und erkannt. Nadine Pazdziora erzählt von einem Projekt des SC Janus, bei dem jetzt drei Flüchtlingsfamilien aus dem Boarding House in der Kempener Straße mit Mitgliedern des SC Janus Sport im Eltern Kind Turnen betrieben und weitere bereits ihr Interesse angemeldet haben. Der Verein habe auch schon Kontakt zur Flüchtlingsunterkunft in der Herkulesstraße gehabt, aber die Schwierigkeit sei, dass die Flüchtlinge in einer so unbestimmten Situation lebten und es daher schwierig sei selbst mittelfristig ein Angebot aufzubauen und aufrecht zu halten. Denn kaum habe man begonnen, müssen manche wieder weiter in die nächste Unterkunft. Im Vernetzen sind die Aktiven im SC Janus schnell und vorbildlich. Und so wundert es nicht wo sich der Verein überall in der Stadt, im Land, aber auch international einbringt. Da ist die Stadtarbeitsgemeinschaft Lesben, Schwule und Transgender, der Stadtsportbund, der Stadtbezirkssportbund, die schwul-lesbischen Verbände, aber eben auch internationale und europäische Verbände bis hin zu den Gay Games. Und so verwundert es auch nicht, dass man das Jubiläum nicht nur feiert, sondern auch dafür nutzt die Aids-Hilfe Köln durch vielfältige Aktionen zu unterstützen. Jacob Hösl, aus dem Vorstand der Aids-Hilfe Köln, attestierte dem SC Janus seine Präsenz in der Community, die Verantwortung die er für die Gemeinschaft übernehme und seine Solidarität, wie auch seine Antidiskriminierende Haltung.

Wer also am Sonntag zur großen CSD Parade geht, der sollte den Aktiven des SC Janus ganz besonders zujubeln. Und wer sich für das Sportangebot interessiert, der dürfte bei 80 Sportangeboten an 7 Tagen der Woche auch fündig werden.

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