Köln | Für die kölsche Band gibt es jetzt die Weihnachtspause. Ab dem 8. Januar starten die Musiker in die neue Session. Im Interview mit Stephan Eppinger erzählt Peter Brings wie sich die Band auf die Session und das große Stadionkonzert im Rheinenergiestadion 2021 bewertet. 

Wie ist für Sie die Zeit zwischen den normalen Tourkonzerten und der Karnevalszeit?

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Peter Brings: Wir haben gerade unser letztes Konzert gespielt und starten dann am 8. Januar in den Karneval mit 160 bis 170 Auftritten. Das Umschalten ist nicht immer ganz einfach. Denn die Zeit in der Session ist ganz anders, als das, was wir bei den Konzerten im Jahr erleben. Im Karneval haben wir 30-Minuten-Auftritte, in denen wir den gleichen Spannungsbogen wie bei einem ganzen Konzert hinbekommen müssen. Bis das wirklich funktioniert, vergehen oft vier oder fünf Auftritte in den Sälen. Da probieren wir so lange, bis es passt und das sehen wir dann direkt an den Reaktionen des Publikums. Das ist wie eine OP am offenen Herzen.

Wie wählen Sie die Songs aus?

Brings: Es gibt Klassiker wie den „Kölschen Jung“, „Polka“ oder „Superjeile Zick“, die gesetzt sind. Dazu kommen neue Songs wie „Sünderlein“. Manche Songs sind etwas kürzer als normal, sodass wir am Ende ein Programm mit etwa sieben bis acht Songs für 30 Minuten zusammen haben. Wir variieren aber auch immer wieder, damit es bei bis zu sechs Auftritten pro Tag nicht zu monoton wird. Wir kennen die einzelnen Veranstaltungen, bei denen wir auftreten, und können das Programm immer wieder dem Publikum anpassen.

Wie nutzen Sie jetzt die Wochen bis zum Start in die Session?

Brings: Das ist jetzt die Zeit zum Erholen und Entspannen und die Zeit für die Familie. Wir hatten ein sehr gutes Jahr, in dem wir auch sehr viel gearbeitet haben. Da braucht es jetzt die zwei bis drei Wochen mit etwas mehr Ruhe.

Wie groß ist der Erfolgsdruck, in der neuen Session auch einen neuen Hit präsentieren zu können?

Brings: Der ist natürlich da, aber der Hit ist die Ausnahme. Man schreibt viel, was aber nicht immer erfolgreich ist. Aktuell haben wir mit „Sünderlein“ wieder ein Stück, das sehr gut funktioniert. Auch in der Vergangenheit konnten wir viele erfolgreiche Nummern wie „Polka“ oder den „Kölschen Jung“ an den Start bringen. Bei Willy Millowitsch gab es vor den Auftritten immer ein Ritual. Er brauchte nur „Schnaps“ zu sagen und sein Publikum hat das dazu passende Lied sofort angestimmt. Wir haben bei vielen Songs das gleiche Glück, das macht es sehr komfortabel.

Wie feiern Sie Weihnachten?

Brings: Ganz klassisch. Jetzt steht der Kauf des Weihnachtsbaums vor mir, der dann zusammen mit meiner Tochter geschmückt wird. Die Geschenke für die Kinder und die restliche Familie kaufe ich mit meiner Frau. Wir selbst nehmen uns beim Schenken etwas zurück. Zum Essen gibt es wieder Kaninchen, das meine Schwiegermutter zubereitet. Sie mag das Gericht selbst eigentlich nicht, sie kocht es aber am besten. Abschmecken muss daher mein Schwiegervater.

Beim Cover von „Sünderlein“ geht es ziemlich römisch zu.

Brings: Da geht es passend zum Titel um die reine Völlerei. Da finden sich die Schlange und der Apfel genauso wie das Bier, das mir direkt in den Mund fließt. Die Kölschen stammen von den Römern ab, so hat so eine römische Szene ganz gut gepasst. Und schnell ging das Ganze auch noch. Unser Fotograf hatte alles bestens vorbereitet, wir haben nur knapp fünf Minuten gebraucht.

Kasalla geht in diesem Jahr ins Stadion und auch die anderen jungen Bands gaben Gas. Wie blicken Sie auf die Kölner Musikszene?

Brings: Die lässt einen nicht müde werden, man muss etwas tun und freut sich, dass man weiter am Start bleiben kann. Uns gibt es jetzt seit fast 30 Jahren, das werden wir 2021 mit einem neuen Album und einem Konzert im Stadion feiern. Querbeat hatten wir zum Beispiel oft auf Tour bei den großen Veranstaltungen dabei und haben immer an diese Band geglaubt. Auch Miljö hat sehr viel Potenzial, auch wenn diese es etwas ruhiger angehen lassen, aber das Songwriting ist perfekt.

Wie wichtig ist das Thema Fitness für die Session?

Brings: Für mich ist das immer wichtig. Ich laufe jeden Tag meine Runde über acht Kilometer und mache meine Dehnübungen und die für den Rücken. Ohne Fitness geht es bei uns nicht.

30 Jahre Brings, wie fühlt sich das an?

Brings: Sehr gut, wichtig ist, dass wir seit 30 Jahren in der gleichen Besetzung unterwegs sind. Die Leute in der Band auszutauschen, empfinde ich als ziemlich schwierig. Die Band und die Musiker gehören doch einfach zusammen. Ich könnte mir einen Austausch überhaupt nicht vorstellen. Jeder hat bei uns seinen Part und bringt seine Kreativität mit ein. Das macht uns als Band doch aus. Wenn ich sehe, dass bei manchen Bands nur noch einer aus der Ursprungsformation übrig ist, finde ich das ziemlich komisch. Wir sind mit unseren gemeinsamen Traum gegen den Rest der Welt gestartet und haben 30 Jahre unseren Rock’n’Roll-Traum gelebt. Das lieben unsere Fans an uns, weil es die Magie einer Band ausmacht.

Autor: Von Stephan Eppinger
Foto: Archivfoto vom ersten Stadionkonzert von Brings. | Foto: Eppinger

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