Der "Altar der Stadtpatrone" im Kölner Dom. Foto: Hohe Domkirche Köln/Dombauhütte/Matz und Schenk

Auf der Reise in die Welt eines großen Kölner Meisters

Von Stephan Eppinger

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Köln | In Köln hat der Maler Stefan Lochner im Mittelalter seine Spuren prominent hinterlassen – das gilt insbesondere für den „Altar der Stadtpatrone“ im Kölner Dom. Dabei hat der Künstler kein einziges seiner Werke signiert, dennoch sind seine Bilder weltberühmt. Sie finden sich auch in weiteren Kölner Kirchen und Klöstern. In die Domstadt kam der um 1400 am Bodensee als Sohn eines Schmieds geborene Lochner wohl in den 1430er Jahren. Für die Zeit davor spricht vieles für einen längeren Aufenthalt in den Niederlanden, wo er möglicherweise einen Teil seiner Ausbildung absolviert hat. In Köln kann Lochners Anwesenheit erstmals im Jahr 1442 nachgewiesen werden.

Am Rhein verbindet Lochner in den folgenden Jahren auf eine einzigartige Art Weise Niederländisches mit kölnischen Vorbildern. Sein gesellschaftlicher und geschäftlicher Aufstieg und die reiche Nachfolge sprechen dafür, dass seine Malweise als neu und richtungsweisend anerkannt wurde. Anders als seine niederländischen Kollegen produzierte der Kölner seine Bilder als Einzelstücke und nicht auf Vorrat oder für Zwischenhändler. Er arbeitete in Köln nur für Kölner Auftraggeber, anders als die international agierenden Niederländer. Seine Werke brachten auch große Meister der Zeit wie Rogier van der Weyden oder Albrecht Dürer zum Staunen.

„Dombild“

Stefan Lochner malte eine aufsehenerregende Heiligenversammlung auf das „Dombild“. Er bereitete den Weg für spektakuläre Weltgerichtsretabel und erfand neue Möglichkeiten, Reliquien und Bilder am Altar zu kombinieren. Der Künstler schuf kostbar gemalte Stundenbücher und führte diese Buchgattung in Köln ein. Dafür entwickelte er einen eigenen Ornamentstil, der in Kölner Skriptorien verbreitet wurde. Immer malte er auf hohem handwerklichen und künstlerischen Niveau mit Gold und teuren Pigmenten. So konnten seine Werke das Statusdenken und die religiösen Bedürfnisse reicher und gebildeter Auftraggebern in der Domstadt bedienen.

In ihrem gerade im Greven-Verlag erschienenen, prachtvollen Bildband gibt Autorin Stephanie Hausschild „Meister Stefan“ in der Stadtgesellschaft des 15. Jahrhunderts ein Profil und lässt die große Epoche der Kölner Malerei mit ihren eindrucksvollen Meisterwerken und delikaten Buchmalerei lebendig werden. So wird das Buch zu einem imaginären Rundgang durch in vergangenes und verlorenes Köln. Es führt den Leser an die Orte, für die Lochner seine Bilder schuf und die heute nicht mehr existieren. Noch gibt es in der Forschung zu dem großen Künstler viele offene Fragen, die bislang noch nicht beantwortet werden konnten.

„Altar der Stadtpatrone“

Die Begegnung mit dem großen Meister beginnt im Kölner Dom und dem „Altar der Stadtpatrone“ in der Marienkapelle, der detailreich in Bild und Wort vorgestellt wird. Das Altarbild, dessen Zentrum Maria und ihr Sohn bilden, erzählt unweit des Dreikönigenschreins die Geschichte der Heiligen Drei Könige. Seinen ursprünglichen Standort hatte der Altar in der im Zweiten Weltkrieg zerstören Ratskapelle St. Maria. In den Dom kam er im Jahr 1810. Mehrere Kopien des „Dombildes“ zeigen, dass dieses weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt war und geschätzt wurde. Auch Albrecht Dürer zeigte sich von dem Werk tief beeindruckt.

Ob der Altar wirklich von Stefan Lochner geschaffen wurde, kann wegen der fehlenden Signatur auch heute noch nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Nachweisbar sind dessen Spuren in Köln aber bis ins Jahr 1451. In seinen Notizen wird „Meister Steffan“ von Albrecht Dürer als Schöpfer des „Dombildes“ erwähnt. Dazu kommen andere gute Gründe, die sich in verschiedenen Archivmaterialien finden, die es für Stephanie Hausschild sehr wahrscheinlich machen, dass das „Dombild“ sowie weitere Kölner Werke dem Künstler zugeschrieben werden können.

Spurensuche

Die heute bekannten und Lochner zugeordneten Werke sind alle nicht mehr an dem Ort zu finden, für den sie ursprünglich geschaffen worden sind. Viele Gemälde finden sich in den großen Museen, die Bücher bereichern Bibliotheken und grafische Sammlungen. In ihrem Bildband geht Hausschild auf Spurensuche und versucht die Werke wieder den ursprünglichen Orten zuzuordnen, um das Verständnis über diese zu erweitern und zu vervollständigen. Zudem werden die Werke auch bezüglich ihrer originären Verwendung befragt. So teilen sich die Kapitel in Bilder für Kölner Kirchen, Bilder für Bücher sowie Bilder zur Andacht und Erinnerung in Kirchen, Klöstern und andernorts auf. Dazu zählt zum Beispiel „Muttergottes mit dem Veilchen“, das wohl für die damalige Stiftskirche St. Cäcilien geschaffen wurde.

Neben diesem und dem Dombild wird unter anderem das „Weltgericht“ als Mittelbild eines Triptychons aus dem Walraff-Richartz-Museum vorgestellt. Ursprünglich stand dieser Altar in der romanischen Kirche St. Aposteln. Ein weiteres Werk ist die „Kreuzigung“ aus dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, die zu Lochners größten Arbeiten gehört. Hier gibt es keine Hinweise auf den ursprünglichen Ausstellungsort in Köln. Das Werk ermöglicht aber interessante Einblicke in Lochners Arbeit als Leiter einer Werkstatt.

Berliner Gebetsbuch oder Doppelseiten aus dem Darmstädter Lochner-Gebetsbuch

Ein Blick in diese Werkstatt ermöglichen auch die Bilder, die für Bücher geschaffen worden sind. Dazu zählt beispielsweise die Marieninitiale im Berliner Gebetsbuch oder Doppelseiten aus dem Darmstädter Lochner-Gebetsbuch. Hier erkennt man, wie Motive in allen Details entworfen, umgesetzt und kopiert worden sind. Der Blick fällt auch auf Lochners kostbar ausgestattete und wunderschön gestaltete Stundenbücher. Nachgegangen wird außerdem der Frage, wie Farben verwendet und berechnet wurden. Dies zeigen Details bei einem Auftrag zu einer Handschrift, die in einem Vertrag festgelegt worden sind. Besonders teuer waren die Verwendung von Blattgold und von Ultramarin.

Sein großes Atelier, zu dem auch Mitarbeiter gehörten, hatte der Meister zunächst im eigenen Haus Roggendorp an der Großen Budengasse, das heute nicht mehr existiert. Nur zwei Jahre später zog Lochner in die Nähe der Kirche St. Alban, direkt gegenüber des heutigen Walraff – am Quatermarkt. An diesen Wohnort erinnert heute nur noch eine Gedenktafel.

Der neue Bildband zu Stefan Lochner bietet spannende und ungewöhnliche Einblicke zu der Arbeitsweise und dem Leben des Künstlers. Der Band nimmt den Leser und Betrachter mit auf eine interessante Reise ins mittelalterliche Kölns. Bei den Werken wird der Fokus auf viele interessante Details gelenkt, die oft erst auf den zweiten Blick auffallen. So kommt man einem großen Kölner Stück für Stück näher und taucht tief in seine Welt ein.

Stephanie Hausschild: Stefan Lochner – erster deutsche Meister, Greven-Verlag, 194 Seiten, 32 Euro

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