Berlin | aktualisiert | Nach der Entdeckung von neuen Varianten des Coronavirus beabsichtigt die Bundesregierung, die Reisemöglichkeiten zwischen Deutschland und Großbritannien sowie Südafrika einzuschränken. Das teilte ein Regierungssprecher am Sonntagnachmittag mit und bestätigte damit mehrere Medienberichte. Eine entsprechende Regelung werde zurzeit erarbeitet. Am Köln Bonn Airport landen heute im Laufe des verbliebenen Sonntags noch eine Maschine aus dem Norden von England aus Manchester (Diese ist um 17:02 Uhr pünktlich gelandet) und kurz vor Mitternacht eine weitere aus London Stansted, nach dem aktuellen Flugplan. Die Bundesregierung kündigte Kontrollen an und verbot mittlerweile Flüge aus Großbritannien ab Mitternacht. Die Stadt Köln wird eine Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes am Flughafen vor Ort postieren, um mündliche Quarantäneverfügungen auszusprechen. Auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet meldete sich am Nachmittag zu Wort und forderte ein schnelles europäisches Einreiseverbot. Vor der Reaktion der Bundesregierung hatten schon mehrere europäische Länder reagiert, darunter die Niederlande, Belgien und Italien.

Land NRW legt Quarantäne für Einreisende aus Großbritannien und Südafrika fest

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23:59 Uhr Die neuen Regeln gelten ab 21. Dezember 0:00 Uhr und sind sowohl durch den Bund und das Land NRW festgesetzt. Für Einreisende aus Großbritannien und Südafrika gelten geänderte Regelungen. Damit will die Landesregierung vorbeugende Maßnahmen gegen eine Mutationsvariante des Coronavirus ergreifen. Reisende aus diesen beiden Staaten müssen sich 10 Tage lang in häusliche Quarantäne begeben und sich absondern. Zudem müssen sich die betroffenen Personen unmittelbar vor oder bei der Einreise und dann nochmals nach fünf Tagen auf das Coronavirus testen lassen. Fällt der Test nach fünf Tagen negativ aus, kann die Quarantäne vorzeitig beendet werden.

Für die am heutigen Sonntag Einreisenden übernahmen, wie in Köln die örtlichen Gesundheitsämter die Anordnung an den Flughäfen zur Quarantäne.Die angeordnete Quarantäne gilt ab Mitternacht auch für alle Personen, die in den letzten zehn Tagen (ab dem 11. Dezember 2020) aus Großbritannien oder Südafrika eingereist sind. Diese müssen sich ebenfalls bis zehn Tage nach der Ausreise in Quarantäne begeben und sich fünf Tage nach der Einreise testen lassen.

Das RKI hat seine Einstufung für Großbritannien und Südafrika noch nicht der aktuellen Lage angepaßt, stellt das Gesundheitsministerium NRW fest. Die Landesregierung von NRW schätzt die aktuelle Entwicklung aber als neue und besondere Risikosituation ein. Das Land schreibt: „Diese rechtfertigt und erfordert eine sofortige und auch nachträgliche Einreisequarantäne, um das Einschleppen der neuen Virus-Variante bestmöglich zu vermeiden.“

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Die Coronavirus-Mutation wurde in Italien nachgewiesen.

21:05 Uhr > Das mutierte Coronavirus ist scheinbar in Italien angekommen. Das berichtet die österreichische Tageszeitung „oe24“ unter Berufung auf das italienische Gesundheitsministerium. Demnach ist die Virus-Variante, die bis zu 70 Prozent ansteckender sein soll, bei einem Patienten nachgewiesen worden.

Dieser sei zusammen mit einer weiteren Person in den vergangenen Tagen aus Großbritannien zurückgekehrt und mit dem Flugzeug in Rom gelandet. Er befinde sich nun in Quarantäne. Deutschland hatte zuvor bereits ab Mitternacht ein Flugverbot von Großbritannien nach Deutschland bis Jahresende ausgesprochen, wie das Bundesverkehrsministerium mitgeteilt hatte.

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Stadt spricht mündlich Verpflichtung zur Quarantäne aus

20:45 Uhr > Die Stadt Köln teilte mit, dass eine Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes vor Ort die Passagiere, des heute noch eingehenden Fluges aus London Stansted dessen Passagiere über die Ordnungsverfügung zur Quarantäne informieren und diese aussprechen werde. Dies erfolge zunächst mündlich so die Stadt Köln. Zudem rate die Behörde gemeinsam mit der Bundespolizei den Passagieren dringend sich auf Corona testen zu lassen. Am Montag will die Stadt Köln dann die für die Reisenden zuständigen Gesundheitsämter informieren.

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Spahn: Flüge aus Großbritannien verboten

20:37 Uhr > Der Bund verbietet ab Mitternacht alle Passagierflüge aus Großbritannien nach Deutschland bis mindestens Jahresende. Das teilten Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und das Verkehrsministerium am Sonntagabend mit. „Morgen planen wir, mit einer Verordnung der Bundesregierung den gesamten Reiseverkehr mit Großbritannien und Südafrika angesichts der Meldungen zu mutierten Viren einzuschränken“, schrieb der Minister auf Twitter.

In einer Allgemeinverfügung des Bundesverkehrsministeriums heißt es, man wolle „das Risiko einer Einschleppung des mutierten Covid-19-Virus in die Bundesrepublik Deutschland auf dem Luftweg“ begrenzen. Ausgenommen sind Flüge zur Rückführung von Luftfahrzeugen, die in der Bundesrepublik Deutschland stationiert sind sowie ihrer Crews aus dem Vereinigten Königreich, reine Post-, Fracht- oder Leerflüge und Flüge mit medizinischem Personal „im Interesse der öffentlichen Gesundheit“, schreibt das Ministerium.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat vor dem mutierten Coronavirus aus Großbritannien gewarnt. „Die Coronavirus Mutation aus Großbritannien ist bisher nicht in Deutschland nachgewiesen worden. Aber wir nehmen natürlich die Meldungen aus Großbritannien, aus dem Vereinigten Königreich sehr ernst“, sagte er am Sonntag im „Bericht aus Berlin“ dem ARD-Hauptstadtstudio.

Man gehe dem fachlich nach, was in Europa an Erkenntnissen da ist und zum Zweiten, welche Folgen diese Mutation hat. „Dass Viren sich verändern, ist nicht ungewöhnlich, aber eine deutlich schnellere Übertragbarkeit, wie sie in diesem Fall vermutet wird – die würde natürlich viel verändern. Und deshalb ist es wichtig, den Eintrag nach Deutschland, nach Kontinentaleuropa zu unterbinden.“

Auf die Frage nach den in Deutschland vorhandenen Impfdosen antwortete Spahn: „Der Eindruck, der da gelegentlich erweckt wird, der Rest der Welt hat ganz viel und wir haben nichts – mit Verlaub, das stimmt natürlich so nicht. Es ist für alle so, dass mit der Zulassung eines neuen Impfstoffs jetzt die Produktion hochgefahren werden kann, wir uns gerade bemühen – mit Biontech zum Beispiel – dass es eine zusätzliche Produktionsstätte auch noch hier in Deutschland wird geben können.“ Aber es sei halt zu Beginn für alle knapp. „Aber das war im Übrigen auch immer bekannt, das sage ich seit Wochen“, so der Minister.

CDU-Gesundheitspolitiker: Corona-Mutation bereits in EU verbreitet

Der CDU-Gesundheitspolitiker und Europaabgeordnete Peter Liese hat davor gewarnt, dass sich die neue Covid-19-Variante bereits auf dem Kontinent verbreitet. Die Bürger in der EU dürften sich durch ein Schließen der Grenzen nach Großbritannien nicht sicher wähnen, sagte er der „Welt“ (Montagausgabe). „Jetzt den Eindruck zu erwecken, das sei ein britisches Problem und wir hätten damit nichts zu tun – das ist sehr gefährlich“, sagte Liese.

Es gebe bereits nachgewiesene Infektionen in Belgien und den Niederlanden. „Es wird ja erst seit Kurzem überhaupt auch diese neue Variante gezielt getestet. Man kann nicht ausschließen, dass es schon viele Infektionen auf dem Kontinent gibt.“

Dem Gesundheitsexperten zufolge sollten die Schutzmaßnahmen deshalb überall strikt umgesetzt werden. Liese empfiehlt, möglichst wenig Besuch in den eigenen vier Wänden zu haben und nur von Zuhause zu arbeiten. „Der Eindruck darf nicht entstehen: Wenn wir keinen Briten treffen, dann sind wir sicher. Wir müssen uns so verhalten, als wenn jeder, den wir treffen, grundsätzlich mit dem Coronavirus infiziert sein kann, auch mit der mutierten Form“, fügte der CDU-Politiker hinzu. Die Erwartung der Virologen sei immer gewesen, dass das Virus sich im Laufe der Zeit verändert und infektiöser, aber dafür weniger tödlich wird. „Wenn das so wäre, wäre es ja nicht so schlimm. Aber das weiß im Moment noch keiner.“ Der CDU-Politiker und promovierte Arzt verteidigte die Entscheidung einzelner EU-Staaten, die im Laufe des Sonntags den Flugverkehr aus Großbritannien eingestellt hatten. „Das ist nicht vergleichbar mit dem Frühjahr, als die Pandemie begann. So wie seinerzeit keine Masken nach Italien zu exportieren, wenn dort Menschen massenhaft sterben – das war etwas anderes als jetzt, wenn Flüge eingestellt werden.“ Denn das sei ein wirksames Mittel, um Leben zu retten. Die Grenzen nach Großbritannien müssten aber unbedingt offenbleiben für lebenswichtige Lieferungen sowie Pflegepersonal und Ärzte.

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Regierung will Reiseverkehr mit Großbritannien einschränken

17:34 Uhr > Die Bundesregierung stehe dazu im Kontakt mit den europäischen Partnern. Unterdessen teilte der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Steve Alter, über den Kurznachrichtendienst Twitter mit, dass die Bundespolizei angewiesen sei, Reisende aus Großbritannien und Südafrika sowie die digitale Einreiseanmeldung systematisch zu kontrollieren. Maßnahmen würden mit den Gesundheitsämtern abgestimmt. Reisende müssten sich auf längere Wartezeiten an den Grenzen einstellen, so Alter.

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Bundeskanzlerin bevorzugt europäische Variante

15:32 Uhr > Nach der Entdeckung einer Mutation des Coronavirus in Großbritannien will Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sich laut eines Berichts der „Bild“ für einen kompletten Stopp des Flugverkehrs aus dem Vereinigten Königreich in die EU einsetzen.

Am Sonntagnachmittag sei ein Telefonat mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron zu der Thematik geplant, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Kreise der Bundesregierung auf ihrer Internetseite. Demnach soll es eine „konzertierte Aktion“ der EU geben.

Die Einschränkungen könnten laut „Bild“ bereits ab Mitternacht gelten. Zuvor hatten bereits mehrere europäische Staaten ein vorübergehendes Landeverbot für Flüge aus Großbritannien angekündigt. Dazu zählen unter anderem Italien und die Niederlande.

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Lauterbach fordert Einschränkung des Luftverkehrs

Nach der Entdeckung einer neuen Corona-Variante in Großbritannien hat sich der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach für die Einschränkung des Flugverkehrs ausgesprochen. Es sei nicht unwahrscheinlich, dass die Mutation ansteckender sei als das ursprüngliche Coronavirus, sagte der Epidemiologe den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Montagsausgaben). „Unter diesen Umständen der Unsicherheit wäre es auch in Deutschland sinnvoll, den Luftverkehr aus Großbritannien aus Vorsichtsgründen einzuschränken.“

Entwarnung gab Lauterbach mit Blick auf die Impfungen. „Nach dem, was wir bisher wissen, wirkt sich die in Großbritannien festgestellte Mutation des Coronavirus nicht auf unsere Impfpläne aus“, sagte er. „Wir müssen nicht davon ausgehen, dass der Impfstoff bei dieser Mutation weniger wirksam ist.“

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Laschet will schnellen Stopp des Flugverkehrs aus Großbritannien

17:02 Uhr > NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat nach der Entdeckung einer neuen Corona-Variante in Großbritannien einen schnellen Stopp des Reiseverkehrs von der Insel gefordert. Belgien und die Niederlande hätten als Reaktion bereits den Flug- und Zugverkehr eingestellt, schrieb Laschet am Sonntagnachmittag bei Twitter. Um Ausweichreisen über Deutschland zu verhindern, brauche man ein schnelles Einreiseverbot, „am besten europäisch“, fügte er hinzu.

Ähnlich äußerte sich sein bayerischer Amtskollege Markus Söder (CSU). Dieser schrieb bei Twitter, dass Deutschland die Einreise und Landung aus Großbritannien und Südafrika vorübergehend aussetzen sollte. In Südafrika war zuvor ebenfalls eine Mutation des Coronavirus nachgewiesen worden.

„Sicherheit geht jetzt vor“, so Söder. Unterstützung für eine entsprechende Maßnahme kam auch von der FDP. „Ein vorübergehendes Landeverbot halte ich für richtig“, sagte der parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, Marco Buschmann dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“.

Denn so könne man etwas Zeit gewinnen, um mehr über die neuen Mutationen des Virus zu lernen und sich so besser zu schützen. Buschmann fügte aber hinzu: „Auf Dauer wird sich eine neue Variante des Virus so aber vermutlich nicht eindämmen lassen.“ Die „Bild“ schrieb unterdessen, dass bereits ab Mitternacht der gesamte Personen-Flugverkehr zwischen Deutschland und Großbritannien untersagt werden könnte.

Derzeit werde ein entsprechender Kabinettsbeschluss noch für diesen Sonntag vorbereitet, schreibt die Zeitung unter Berufung auf Informationen aus der Bundesregierung.

Autor: dts, red
Foto: Eine Maschine parkt am Kölner Flughafen

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