Ein Vortragekreuz aus dem Mittelalter und Andy Warhol's "Crosses" aus dem 80er Jahren. Foto: Eppinger

Köln Nachhaltig Kunst zu präsentieren, ist für das Kölner Kolumba ein zentrales Anliegen. Das manifestiert sich auch darin, dass das Kunstmuseum des Erzbistums bei seinen Jahresausstellungen fast ausschließlich auf die eigene große Sammlung zurückgreift, was sowohl den finanziellen Aufwand reduziert als auch den ökologischen Fußabdruck deutlich minimiert. “Wenn man seit mehr als 15 Jahren Ausstellungen aus dem eigenen Fundus erfindet, muss das nicht langweilig sein”, erklärt Museumsdirektor Stefan Kraus.

Die neue Jahresausstellung, die ab Freitag im Kolumba zu sehen ist, steht unter dem Titel “Wort Schrift Zeichen – das Alphabet der Kunst”. Schon im ersten Raum ist erkennbar, wie sich Zeichen im kulturellen Kontext verändern können. Das gilt auch für das mehr als 10.000 Jahre alte “Swastika”, was im Sanskrit “Glücksbringer” bedeutet. Unter den Nationalsozialisten wird das “Hakenkreuz” zum Symbol für den Terror und die brutale Diktatur. “Z” ist eine Arbeit von Dorothee von Windheim aus dem Jahr 1974. Der Buchstabe wird heute im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine als militärisches Symbol missbraucht.

„Im Anfang war das Wort“

“Im Anfang war das Wort” heißt es zum Beginn des Johannesevangeliums in einer der komplexesten Denkfiguren der Welt, denn “das Wort war bei Gott und das Wort war Gott, ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.” Der Evangelist formuliert so eine Ausschließlichkeit, die zum Widerspruch einlädt.

Die Weltchronik befasst sich im Mittelalter mit der göttlichen Schöpfung, auf die sich das Johannes-Evangelium bezieht. Die “Fleischwerdung Gottes” findet sich in der Schutzmantelgruppe aus der Zeit um 1517. Dort präsentiert die Himmelskönigin Maria ihren nackten Sohn der üppig gewandeten Gesellschaft. Der mittelalterlichen Kunst gegenüber gestellt werden Werke von Dieter Krieg von 1974, die sich mit der Vorstellung der Leiblichkeit auseinandersetzen.

Gezeigt wird auch ein Teil der umfangreichen Siegelsammlung von Stephan Beissel, die den Zeitraum vom 9. Jahrhundert bis zu den 1950er Jahren umfasst. Hier stehen Siegel für die Selbstdarstellung und zeigen sich als die “Selfies des Mittelalters”. Dem Betrachter bieten sie einen spannenden Spaziergang durch die Kulturgeschichte.

Ein Schmuckfußboden aus St. Pankratius trifft auf moderne Kunst. Foto: Eppinger

Drei Räume beschäftigen sich mit der Entstehung von Zeichen. Dazu werden Arbeiten von Rune Mields gezeigt, die sich mit der “Steinzeitgeometrie” auseinandersetzen. Ein frühes Werk von Leiko Ikemura zeigt die Künstlerin bei der Suche nach der eigenen Ikonografie. Ein Zeichen für die Suche ist Rebecca Horn’s “Blindenstab” als mechanisierte Skulptur mitten im Raum. Das zentrale christliche Zeichen ist das Kreuz, das zu jeder Zeit immer wieder von den Menschen mit neuen Inhalten gefüllt werden muss. Hier werden in einem Raum Andy Warhol’s “Crosses” mit einem Vortragekreuz aus dem Kirchenschatz von St. Kolumba gegenübergestellt.

Gleich nebenan trifft ein Schmuckfußboden aus St. Pankratius im Oberpleis auf die Rauminstallation “Tragedia civile” von Jannis Kounellis und fünf Arbeiten von Terry Fox, die sich kritisch mit Slogans wie “Friendly Fire” oder “Balance of Terror” auseinandersetzen. Einen Blick wert ist im Foyer das “Alphabet der Dinge” unter anderem mit der Höhensonne “Eva”, der Mausefalle “Luna” und dem Reisebügeleisen “Stewardess”.

Service: Jahresausstellung “Wort Schrift Zeichen – Das Alphabet der Kunst”, 15. September 2023 bis 14. August 2024, Kolumba, Kolumbastraße 4, Köln; Öffnungszeiten: Mi-Mo 12-17 Uhr; Eintritt: 8 (ermäßigt 5) Euro.

www.kolumba.de