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Harzguesse der Figuren "Russel" (l. und r.) und "Carl" (M.) aus dem Animationsfilm "Oben"

Der Kunstfaktor von Nemo und Buzz Lightyear - Bonner Bundeskunsthalle feiert Pixar Animation Studios

Bonn | aktualisiert 6.7.2012, 14:39 Uhr | Sie sind die Leinwandhelden der Moderne - der orangefarbene Fisch Nemo, Spielzeug-Astronaut Buzz Lightyear aus "Toy Story" oder die Ratte Rémy aus dem Streifen "Ratatouille". Welches Kind kennt sie nicht? Jetzt sind die Geschöpfe des Animationsfilms reif für das Museum. Mit einer Ausstellung über die Pixar Animation Studios rückt die Bundeskunsthalle in Bonn als erstes Museum in Deutschland die Vorreiter des computeranimierten Spielfilms in den Blickpunkt. Aktualisiert: Kritik an der Schau äußerte nun die Linke. Die Ausstellung sei einseitige Werbung für das Unternehmen.

Statt Filmsequenzen zeigt die Schau "Pixar - 25 Years of Animation" ab Freitag (6. Juli), wie die Kinostreifen mühsam entstehen. Was kaum einer ahnt: Hinter fast jeder erfundenen Figur und jeder geschaffenen Welt stecken zunächst handgefertigte Skizzen, Zeichnungen, Grafiken und in vielen Fällen sogar Aquarelle und Skulpturen. Mehr als 500 solcher Exponate bietet die bunte Ausstellung auf. Die Bundeskunsthalle, nebenan hängen Werke von Anselm Kiefer, hat aus der Ausstellung eine Werkstatt des Animationsfilms gemacht. Die zahlreichen Skizzen verdeutlichen, wie oft in der kalifornischen Filmschmiede an den schon fast menschlich wirkenden Charakteren gefeilt wird. So viel Fantasie auf einem Fleck: Allein zwei riesige Stellwände sind beidseitig mit Fischen aus "Findet Nemo" bedruckt. Die Autos aus "Cars" haben Augen und Mund. Auch der knuddelige Sully aus "Monster AG" ist dabei.

Der Hund Slinky, dessen Körper in "Toy Story" aus einer Spirale besteht, wird zunächst mit Bleistift gezeichnet, erst später bekommt er einen farbigen Anstrich. Daneben dokumentiert ein Storyboard den Ablauf, wie eine Szene später aussehen soll. Erst durch die Übertragung auf den Computer werden die Figuren von Pixar zum Leben erweckt. Der Höhepunkt der Ausstellung, die vor Jahren zuerst im New Yorker Museum of Modern Art und bis heute in 14 Ländern zu sehen war, ist ein Zoetrop, ein Karussell mit Figuren aus "Toy Story", das wie ein riesiges Daumenkino in 3D funktioniert. Durch die Schnelligkeit und Lichteffekte sieht das Spektakel wie ein Filmausschnitt aus.

Kunst oder Werbung?

Dennoch haftet der Ausstellung ein fader Beigeschmack von Werbung an. Kritische Fragen werden nicht gestellt. Bietet die öffentliche Bundeskunsthalle dem Walt-Disney-Konzern, zu dem Pixar inzwischen zählt, eine Werbeplattform? Bundeskunsthallen-Intendant Robert Fleck, der zuletzt wegen der Ausstellung einer privaten Anselm-Kiefer-Sammlung massiv in die Kritik geraten war, wiegelt ab. "Es ist eine künstlerische Ausstellung und nicht eine kommerzielle Veranstaltung", sagt er. Es sei eine Aufgabe der Bundeskunsthalle, "populäre Bilderwelten" zu präsentieren.

Andere Produktionsfirmen bekommen aber keinen Platz. Spätestens zum Abschluss des Rundgangs kommen Zweifel. Die Ausstellung endet automatisch in einem extra geschaffenen Museumsshop. Hier gibt es den süßen Nemo als Spardose, Trinkbecher mit Aufdruck und etliche Filme von Pixar auf DVD.

aktualisiert 6.7.2012, 14:39 Uhr > Kritik an Bundeskunsthalle

Neue Debatte um die Bundeskunsthalle Bonn: Nach der umstrittenen Anselm-Kiefer-Ausstellung steht das renommierte Ausstellungshaus wegen einer weiteren Schau in der Kritik. Die Linke wirft dem Intendanten Robert Fleck vor, in einer neuen Ausstellung über die Pixar Animation Studios (Walt Disney) einseitig Werbung für das US-Filmunternehmen zu machen. "Man kann ein Haus wie die Bundeskunsthalle nicht dem Konzern Walt Disney exklusiv zur Verfügung stellen", sagte die kulturpolitische Sprecherin der Linke-Fraktion im Bundestag, Luc Jochimsen, im dapd-Interview. Die Filmemacher von Pixar, die seit 2006 zu Walt Disney gehören, seien zwar die Vorreiter computeranimierter Spielfilme, sagte Jochimsen am Freitag. "Aber wenn wir von Animationskunst sprechen, reden wir über mehr als Disney." Auch anderen und kleineren Produzenten müsse Platz eingeräumt werden. "Das macht es interessant für den Zuschauer."
Rückendeckung erhielt Fleck vom Deutschen Kulturrat. "Es ist nicht allein verwerflich, wenn man sich auf ein Unternehmen konzentriert", sagte Geschäftsführer Olaf Zimmermann in Berlin. Bei anderen Ausstellungen würden häufig auch nur die Werke eines einzelnen Künstlers gezeigt. Zimmermann unterstrich, dass die Pixar-Schau unter anderem auch schon im prominenten Museum of Modern Art in New York zu sehen war.

"Was ist die Leistung des Intendanten?"

Linke-Kulturexpertin Jochimsen spricht nach der kritisierten Anselm-Kiefer-Ausstellung, in der aktuell allein Arbeiten aus dem Privatbesitz des Sammlers Hans Grothe präsentiert werden, von einer "Duplizität der Fälle". "Ein prominenter Platz wird von Geldern des Steuerzahlers hoch bezahlt und dort tummeln sich dann Privatinteressen unterschiedlicher Schattierung", sagte sie. "Ich frage mich: Was ist die Leistung des Intendanten?" Wenige Tage nach der Eröffnung der Kiefer-Ausstellung hatte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) mitteilen lassen, dass der Vertrag von Fleck nicht über 2013 hinaus verlängert werde, sondern auslaufe. Jochimsen forderte einen Neuanfang. Der Bund müsse über ein Controlling nachdenken, wodurch die Ausstellungen in der Bundesinstitution mehr hinterfragt werden sollten.

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