Kultur Kunst

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Vor Weihnachten verkaufte HA Schult einige seiner „Müllmenschen“ zugunsten des Projekts „Casa Colonia“

Umstritten: „Casa Colonia“ – das neue Kunst- und Sozialprojekt von HA Schult

Köln | aktualisiert | Seit Monaten wirbt Aktionskünstler HA Schult mit prominenter Unterstützung für seine „Casa Colonia“, ein „Hostel für Beggars & Bankers“. Als Vorlauf soll im September auf dem rechten Rheinufer zum Spendensammeln ein kleiner temporärer Gastro-Betrieb entstehen. Am kommenden Donnerstag, 9. Februar, soll die Bezirksvertretung Innenstadt über das umstrittene Projekt entscheiden. Im Video-Statement in seinem Atelier in der Kölner Innenstadt äußert sich Künstler HA Schult zu der Diskussion um sein Projekt, Köln als Kunststadt und die Einordnung seiner Kunst durch den Kunstbeirat.

Im Vorfeld hat sich schon der Kunstbeirat dagegen ausgesprochen. Der Kulturausschuss verweigerte sich bei seiner letzten Sitzung einer fundierten Diskussion und schickte den Antrag ohne Votum an die Bezirksvertretung weiter. Das Ordnungsamt hat schon abgewinkt: Für den temporären Gastrobetrieb zwischen Deutzer Brücke und Rheinboulevard wird es wohl keine Genehmigung geben.

Das Ordnungsamt fürchtet eine „massive Überbeanspruchung“ der Fläche

Danach stehe die „beantragte und aufgezeigte Begleitnutzung zur Präsentation der Aktionskunst nicht im Einklang mit der vorgenannten Festsetzung einer öffentlichen Grünfläche“ Es befürchtet unter anderem „eine massive Überbeanspruchung dieser im Focus der Öffentlichkeit stehenden Fläche“.

Der Kunstbeirat begründet seine Ablehnung anders. Für ihn haben die Arbeiten HA Schults „seit den 1970er Jahren für die Kunstwelt eine immer geringere Bedeutung“, zugleich bemängelt er, dass „sich oftmals seine künstlerischen Unternehmungen mit den werblichen Interessen seiner Sponsoren“ vermischen. So sei „sein weltweites Auftreten nicht etwa der weltweiten Reputation seiner Werke, sondern den finanziellen Möglichkeiten seiner Sponsoren geschuldet“.

Der Kunstbeirat vermisst die „künstlerische Vielschichtigkeit“

Diese Werke ließen in ihrer „kampagnenartigen Illustration recht einfacher Gedanken“ die „Vielschichtigkeit vergleichbarer künstlerischer Projekte vermissen“. Wenn die Stadt Köln „ausgerechnet durch eine solche Aktion weithin öffentlich wahrgenommen wird, kann ein erneuter Rückschlag für das Ansehen der Stadt bedeuten“. Es würden „mal wieder die Klischees von Provinzialität und Plattitüde bedient“, sorgt sich der Kunstbeirat.

Der Einwand, dass seine Installationen grundsätzlich mit dem Risiko behaftet sind, dass aus „temporär“ oft „dauerhaft“ wird – wie beim Flügelauto auf dem Stadtmuseum oder der Erdkugel auf der DEVK-Zentrale – fällt eher auf die Stadt zurück. Die hat in der Vergangenheit schon öfters andere „temporäre Geschenke“ auf Dauer behalten. Umstrittenstes Beispiel aktuell: Die Kreuzblume vor dem Dom.

Für das eigentlich Wohnprojekt fehlen noch Geld und Grundstück

Das Wohnprojekt „Casa Colonia“ ist ein Projekt der Hilfsinitiative „kunst hilft geben“, die sich um Wohnungslose kümmert. Deren Zahl wird in Köln auf etwa 6.000 geschätzt. „Casa Colonia“ soll einmal unter einem Dach 14 bis 16 Wohnungen für Wohnungslose, Flüchtlinge, Künstler und Studenten bieten. (Anmerkung der Redaktion: Fälschlicherweise wurde behauptet, dass die GAG dieses Projekt initiiert habe. Dies entspricht nicht der Wahrheit.)

Dazu Café und Restaurant als Integrationsbetrieb, als Träger hierfür steht das Kolpingwerk bereit. Rund 2,5 Millionen wird die Umsetzung kosten, das Ziel: 30 Prozent davon als Eigenkapital durch Spenden aufbringen. 350.000 Euro sind schon beisammen. Der für September geplante Gastro-Betrieb soll hier weiteres Geld bringen. Noch fehlt allerdings ein Grundstück.

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