Kultur Literatur

reker_mueller_21112015

Herta Müller und Henriette Reker

Plädoyer für Menschen auf der Flucht – Herta Müller erhält den Heinrich-Böll-Preis der Stadt

Köln | Es ist eine besondere Preisverleihung am Freitagabend in der Piazzetta des Historischen Rathauses. Das lag zum einen an einer außergewöhnlichen Schriftstellerin die geehrt wurde – Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller. Und es lag zum anderen an der Frau, die den Preis an diesem Abend übergab – die nach dem Messerattentat ins Rathaus zurückgekehrte neue Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

„Ich bin glücklich, endlich wieder unter vielen Menschen sein zu dürfen“, sagt die Gastgeberin vor ihrer ersten Amtshandlung als OB. Dieser Auftakt sei auch ein Bekenntnis zur Seele dieser Stadt, der Kultur. Vergessen will sie das, was man ihr angetan hat, nicht: „Denn man kann und darf im Kopf nicht verdrängen die Spuren des Hasses und des Fanatismus, wie er sich des Körpers bemächtigt und die Hand missbraucht, bereit zur Brutalität und Verletzung – geschehen noch viel schlimmer vor genau einer Woche in Paris.“

An den Büchern Herta Müllers und denen von Heinreich Böll schätzt Reker besonders deren Sensibilität und Detailgenauigkeit. „Das hat beide davor bewahrt, ihre Wahrheiten in die Aufklärungs-Klischees zu pressen. Ja, Herta Müllers Literatur ist für uns alle verfügbar. Aber nicht allzu leicht.“

Die Schriftstellerin eröffnete ihre Dankesrede mit scharfer Kritik an den „Spaziergängern“ von Dresden, die von Demagogen angeführt würden. „Wenn Worte wie Volksverräter und Lügenpresse lang genug spazieren gehen, geht auch mal ein Messer spazieren.“ Müller zeigte sich enttäuscht, dass nach dem Attentat die Wahlbeteiligung in Köln so gering war.

Den Schwerpunkt ihrer Rede legte die Preisträgerin auf die Situation der Flüchtlinge in Deutschland und Europa: „Krieg ist ein politischer Feind, und Kriegsflüchtlinge sind politisch verfolgt, und jeder einzelne braucht Schutz.“ Dieser Schutz könne nicht begrenzt werden, nur weil ihn so viele brauchen.

Dabei hat sie in ihrem Geburtsland Rumänien Flucht und Diktatur am eigenen Leib schmerzvoll erfahren müssen – ein Land in dem Tausende „ihr halbes Leben im Konjunktiv der Flucht“ verbracht haben. Flucht habe nichts mit Aggression zu tun, sagt Müller und verurteilt Redewendungen, die von Lawinen und Invasion sprechen. „Flucht ist in jeder Einzelheit, aus der sie besteht, defensiv.“

Das heutig Deutschland seine Heimweh-Heimat geworden. „Nicht nur für uns, die wir hier leben. Auch für Menschen, die aus Diktatur und Krieg fliehen müssen. Die haben Heimweh nach Frieden und Sicherheit. Und weil Deutschland ihnen das bieten kann, haben sie Heimweh nach Deutschland. Zu Tausenden haben sie dasselbe Heimweh, das Osteuropäer in meinem Alter sogar ohne Krieg noch gut kennen – Heimweh nach Zukunft.“

Zurück zur Rubrik Literatur

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Literatur

unwort5112013

Darmstadt | Bis Anfang November sollen rund 500 Einsendungen mit etwa 320 verschiedenen Vorschlägen beim Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft für das „Unwort des Jahres 2017“ eingegangen sein. Die bislang mehrfach eingeschickten Wörter seien unter anderem alternative Fakten, Fake News, Softwareupdate, Bio Deutsche(r) und Nafri. Das „Unwort des Jahres 2017“ wird am 16. Januar 2018 um 10 Uhr auf einer Pressekonferenz an der TU Darmstadt verkündet.

koeln_buch_ehu_01112017

Köln | Ob zu Lande oder in der Luft, dazu noch der Rhein – Köln ist in jeder Beziehung ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Ein zusammenfassender „Stadtführer“ hierzu ist seit langem überfällig. Susanne Raupach füllt diese Lücke jetzt mit „Stadt in Bewegung“.

Köln | Die Kölner Schriftstellerin Mariana Leky ist mit dem Literaturpreis der unabhängigen Buchhandlungen in Deutschland ausgezeichnet worden. Die 44-jährige Autorin erhielt den Preis für ihren im Juli erschienenen Roman"Was man von hier aus sehen kann", der es auch schnell auf die Bestseller-Listen geschafft hat. Das Buch ist im Kölner DuMont Buchverlag erschienen. Buchhändler lieben „Was man von hier aus sehen kann"

Theater Köln - Premieren 2017

theaterkritik_kasten300px_neu

Diese Theaterstücke feierten in Köln aktuell Premiere. Die Kritiken:

Uraufführung im Schauspiel: „Alles, was ich nicht erinnere“

--- --- ---

„American Psychosis“ in der Studiobühne Köln

--- --- ---

"Wilhelm Tell" im Schauspielhaus

--- --- ---

Urania-Theater: Eröffnung mit „Mutter Courage und ihre Kinder

--- --- ---

Möglicherweise gab es einen Zwischenfall“ im Freien Werkstatt-Theater

--- --- ---

„Feierei“: Theatergruppe c.t.201 feiert in der Studiobühne ihren 25. Geburtstag

--- --- ---

Wie Kraut und Rüben“ am Horizont Theater

--- --- ---

„Romeo und Julia“ begeistern im Schauspiel

--- --- ---

Theater der Keller: Fassbinders „Katzelmacher“ messerscharf aktualisiert

--- --- ---

Alle sehen doppelt: „Amphitryon“ im Metropol Theater

--- --- ---

„Occident Express“ hält im Schauspiel

--- --- ---

Theater im Bauturm: Liebeserklärung an Trude Herr

--- --- ---

Theater der Keller dramatisiert den Roman „Bilquiss“

--- --- ---

Horizont-Theater bringt mit „Liebeslügen oder Treue ist auch keine Lösung“ Sex and the City nach Köln

--- --- ---

Freies Werkstatt-Theater zeigt „Der talentierte Mr. Ripley“

--- --- ---

Schauspiel mit „Peer Gynt“ in die neue Spielzeit

--- --- ---

Spiel mit Geschlechterrollen: Schauspiel zeigt „Frau Schmitz“

--- --- ---

„Old School“ weckt im Schauspiel die Reiselust

--- --- ---

Freies Wertkstatt-Theater: Premiere für „Last Night in Sweden – oder Donald Trump und die Kunst des Wrestlings“

--- --- ---

Orangerie zeigt „Das Gespenst des Joaquín Murieta“

--- --- ---

Theater der Keller startet mit Houellebecqs „Unterwerfung“ in die neue Spielzeit

KARNEVAL NACHRICHTEN

icons_sm_12092015w

Facebook     |     Twitter     |     RSS