Das Sport und Olympiamuseum in Köln darf sich über das wohl meist kritisierte Trikot der Eishockey Geschichte freuen. Der ehemalige ECD Iserlohn Spieler Robert Simon überreichte dem Museum am Freitag sein „Gaddafi-Trikot“. „Wir freuen uns außerordentlich das Trikot unser Eigen nennen zu dürfen“, so Frank Dürr, der Direktor des Museums.

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Die ungetrübte Freude des Museumsdirektors wurde aber nicht zu allen Zeiten geteilt. Es herrschte sogar blanke Entrüstung, als die Spieler des ECD Iserlohn 1987 im weiß-blauen Trikot das Eis betraten. Es waren aber weder die Farben noch die Spieler, die das weltweite Entsetzen hervorriefen. Vorne, auf Brusthöhe der Trikots, stachen der Name Gaddafi und seine „Revolutionsfibel“, das „grüne Buch“, den Zuschauern ins Auge.

Was zunächst wie ein PR-Gag wirkte, wurde unerwartet Wirklichkeit. Angeblich bot Muammar al-Gaddafi dem Verein eine unbekannte Summe, um Werbung für seine Revolutionsfibel zu machen. Der Verein, bedroht von der Insolvenz, nahm das Angebot bereitwillig an und schickte seine Spieler 1987 mit brandneuen Trikots aufs Eis. Zum ersten und einzigen Mal sollten die Trikots mit der politisch heiklen Werbung vor die Zuschauer treten. Die Entrüstung dagegen war von bleibender Natur. Der damalige Bundestrainer Xaver Unsinn protestierte ebenso gegen das Trikot wie der ehemalige Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann. Das skurrile Trikot war das Thema sämtlicher Medien, sogar die New York Times berichtete über die „shocking news“ aus Iserlohn.

Was damals noch unmöglich und schockierend war, ist heute eine lehrreiche Anekdote, die nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hat. Es stellt sich auch heute noch die Frage, inwieweit Politik und Sport miteinander verschmelzen können und dürfen. Ab sofort soll das scharf kritisierte Stück Sportgeschichte als Daueraustellungsstück im Sport und Olympiamuseum zu betrachten sein.

[ez]

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