Köln | Auf wenig Gegenliebe bei Kölns Kulturpolitikern stieß der Plan der Stadt zur Umsetzung der „Historischen Mitte“. Sie bestritten unter anderem die Kostenberechnungen für Sanierung oder Neubau des Stadtmuseum. Sie brauchen auch mehr Zeit, um sich mit den gleichfalls zuständigen Kollegen aus Finanz- und Stadtentwicklungsausschuss zu beraten. Dumm nur, dass eine Entscheidung schon in der Ratssitzung am 3. Mai fallen soll.

Die „Historische Mitte“ sieht am Südrand des Roncalliplatzes den Abriss des sanierungsbedürftigen Verwaltungsgebäudes für das Römisch-germanische Museum vor. Es soll in einem Neubau unterkommen, der an gleicher Stelle errichtet wird und in dem vor allem das Stadtmuseum einen neuen Sitz finden soll. Dessen aktueller Bau an der Zeughausstraße müsste schon seit Jahren von Grund auf saniert werden. Nach Berechnungen der Stadt kostet die Sanierung des Museum 125 Millionen Euro, der Neubau dagegen nur 116 Millionen. Den überarbeiteten Siegerentwurf hatte die Stadt im März vorgestellt (report-k berichtete).

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Kooperation mit Domkirche erleichtert Bau

Außerdem schlägt die Stadt ein gemeinsames Bauen mit der Domkirche vor, die ihr benachbartes „langsam bröckelndes“ Kurienhaus ebenfalls möglichst bald abreißen und durch einen Neubau ersetzen will. Dies soll in Form einer „Gesellschaft bürgerlichen Rechts“ unter Führung der Kirche geschehen, was – so die Stadt – erhebliche Erleichterungen zum Beispiel bei der Ausschreibung biete. Eine Chance, die zumindest Horst Thelen (Grüne) erkannte.

Etwa irritierend wirkte bei der Diskussion, dass einige Politiker sich auf zehn Jahre alte Zahlen beriefen. Damals wurde die Annahme einer Schenkung für einen Erweiterungsbau diskutiert. Petra Rinnenburger von der Gebäudewirtschaft wies darauf hin, dass eine Erweiterung an der Zeughausstraße höchst kompliziert sei, da der Bau auf eine U-Bahn-Linie gesetzt werden müsse. Dass das Museum erheblichen Sanierungsbedarf hat, sah auch die Politik ein, wusste aber keine alternative schnelle Lösung.

Freie Wähler drohen Stadt mit „Bürgerbegehren“

Umstritten war auch eine Beteiligung der Bürger an der Planung. Die aktuelle Ausstellung im Domforum und ein Info-Container reichte keinem. Walter Wortmann (Freie Wähler Köln) kündigte immerhin lautstark ein Bürgerbegehren an, wie es schon zur Archäologischen Zone gemacht wurde: „Wir werden der Stadt in Suppe spucken!“. Bei der Gestaltung der Fassade – auch sie im Vorfeld heftig umstritten – soll der Gestaltungsbeirat eingeschaltet werden.

Zwei Tage nach der Kulturausschuss-Sitzung ist zumindest bei den Grünen eine Entscheidung gefallen. Sie erklärten, dass ihre Fraktion „als erste ein klares Votum“ für die Historische Mitte abgegeben habe, wie sie die Stadt vorschlägt. Kirsten Jahn, Fraktionsvorsitzende im Rat, spricht sich für eine schnelle Realisierung aus: Für Köln ist es eine einmalige Chance, am Fuße des Doms die reiche und lange Kölner Stadtgeschichte sichtbar zu machen. Auch für die Attraktivierung des Domumfelds und als wesentlicher Baustein der Via Culturalis ist die Neue Historische Mitte ein Gewinn.“.

Autor: ehu | Staab Architekten GmbH
Foto: Die Neue Historische Mitte, Ende März stellte das Büro Staab Architekten ihren überarbeiteten Entwürfe vor.  Visualisierung: Staab Architekten

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