„Es wäre einer der teuersten Erwerbe der letzten Jahre“
Prof. Götz Czymmek konnte seinen Augen kaum glauben, als er im Jahr 1991 eine ältere Dame besuchte. Sie hatte ihn angerufen und erklärt, dass sie dem Museum Wallraf einen Monet schenken wolle. Czymmek schenkte dem Vorfall zunächst kaum Bedeutung, schließlich würden sich die hoch gelobten Bilder zumeist als Fälschungen erweisen, berichtete er heute. Dennoch fuhr er zu der Dame und erkannte sofort, dass das Bild, das vor ihm in einem Pappkarton auf dem Fußboden lag, tatsächlich von Claude Monet selbst gemalt worden sein musste. Jahrzehnte hatte das Gemälde über dem Kamin der älteren Dame gehangen, nun wollte sie es schnellstmöglich loswerden. Sie bat Czymmek es noch am selben Tag mit ins Museum zu nehmen. Kurzerhand beförderte er es auf dem Rücksitz seines städtischen Dienstfahrzeuges in das Depot des Wallraf. Dort entdeckte er in einem Werkverzeichnis, dass es sich bei dem Gemälde um das Bild „Frühlingsstimmung bei Véthiuel“ handelte, dessen Ort seit etwa 1890 unbekannt war.

Seitdem wartete das Wallraf nun darauf, der Öffentlichkeit seine Entdeckung zu präsentieren. Möglich wird das jedoch erst morgen sein, denn die Dame belegte das Museum bei der Schenkung mit der Auflage, das Bild erst nach ihrem Tod auszustellen. Ab morgen wird es nun in der dritten Etage des Wallraf neben den „Seerosen“ von Claude Monet zu sehen sein. Zwei andere Werke müssen dafür ins Depot weichen. Wie viel das Bild heute auf dem Kunstmarkt wert wäre, wollte Museumsdirektor Andreas Blühm heute nicht beziffern. „Es wäre jedoch einer der teuersten Erwerbe der letzten Jahre“, erklärte Blühm. Landschaften Monets würden auf dem Markt mit einem Wert zwischen zwei und drei Millionen Euro gehandelt. „Dieser Monet ist ein neues Highlight unserer ständigen Sammlung und wird bestimmt ein Publikumsmagneten“, ist sich Blühm jedenfalls sicher. Restauriert werden musste das Gemälde übrigens nicht – nur eine Staubschicht musste vorsichtig abgenommen werden.


Foto: Stolz präsentierten heute Museumsdirekot Andreas Blühm (r.) und sein Mitarbeiter Prof.
Götz Czymmek den neuen Monet der ständigen Sammlung


Frühlingsstimmung in grau-lila
„Frühlingsstimmung bei Véthiuel“ entstand im Jahr 1880 als Monet in Véthiuel lebte und zeigt eine Landschaft in der Nähe des Dorfes. Im Zentrum des Bildes steht ein Pflaumenbaum, im Hintergrund sind die Seine und ein trüber Himmel zu sehen. Dabei erstrahlt das ganze Bild in einem eigentümlichen grau-lila Farbton und vermittelt dadurch entgegen des Titels „Frühlingsstimmung“ eher die Atmosphäre eines trüben Tages. Als Monet das Bild malte, ging es ihm nicht besonders gut, berichtete heute Czymmek. Denn ein Jahr zuvor war seine Frau verstorben, zudem plagten den Künstler Geldsorgen. 1880 sollte jedoch zu einem Wendepunkt in Monets Leben werden, da sich die kunstinteressierte Öffentlichkeit für den Impressionisten zu begeistern begann. Seine Verkäufe stiegen und erstmals war Monet in diesem Jahr in einer Einzelausstellung zu sehen.

Das Jubiläums-Jahr: Wimmelbuch und Nabelschau
Die Präsentation des neuen Monets ist nur der Auftakt eines spannenden Ausstellungsjahres, kündigte Museumsdirektor Blühm heute an. Denn zum 150-jährigen Jubiläum des Hauses hat sich sein Team Besonderes einfallen lassen. Einige Highlights stellte Blühm schon heute vor. So soll im April 2011 ein Wimmelbuch des Museums im Bachem Verlag erscheinen. „Damit sind wir wohl das erste Museum weltweit, das ein eigenes Wimmelbuch besitzt“, verkündete Blühm stolz. Zudem sollen in diesem Jahr drei Sonderausstellungen die Besucher begeistern. Im Frühjahr erfolgt eine Schau zu den jüngsten Neuerwerbungen der Grafik, im Sommer soll eine Ausstellung dann einen Blick hinter die Kulissen des Museums ermöglichen und die verschiedenen Arbeitsgebiete der Museumsarbeit vorstellen – von der Forschung bis zur Klimatisierung der Museumsräume. Zum Abschluss soll im Herbst 2011 eine „Nabelschau“, so Blühm, präsentiert werden. Dann sollen möglichst viele der Gemälde gezeigt werden, die in den letzten Jahren nur im Depot hingen. Nur rund ein Drittel der Bilder können zeitgleich im Haus präsentiert werden, so Blühm. Während der Schau im Herbst sollen nun die Besucher die Möglichkeit haben, ihr Lieblings-Gemälde zu wählen. Das Bild mit den meisten Stimmen erhält dann ein Jahr einen festen Platz im Museum.

Cornelia Schlößer für report-k.de/ Kölns Internetzeitung