Wirtschaftsnachrichten Kölner Wirtschaft

schmidt_stadtmarketing_26032020

Corona-Krise in Köln: „Der Einzelhandel befindet sich in einer sehr kritischen Phase“

Helmut Schmidt ist der Vorstandsvorsitzende von Stadtmarketing Köln. Im Interview spricht er über die Folgen der Corona-Krise für den Einzelhandel und über die dringend benötigte finanzielle Hilfe von Stadt, Land und Bund. Kunden ruft er zur Solidarität mit dem lokalen Handel und der Gastronomie auf.

Wie erleben Sie Köln in Zeiten der Corona-Krise?

Helmut Schmidt: Es wird in Köln auf den Plätzen und Straßen ruhiger. Die Leute nehmen die Situation an und halten vor und in den Apotheken und den Lebensmittelgeschäften entsprechend Abstand voneinander. Die Ausnahmen sind hier mittlerweile nur noch gering. Auffällig ist, dass immer noch sehr viele ältere Menschen trotz der Angebote zur Nachbarschaftshilfe zum Einkaufen rausgehen. Junge sieht man eher selten.

Welche Folgen hat die Krise für den Einzelhandel in Köln?

Schmidt: Das sehe ich aktuell sehr kritisch. Die Lebensmittelhändler und Apotheken haben zwar noch auf und auch die Logistik funktioniert besser, die Regale füllen sich wieder, aber der Einzelhandel insgesamt befindet sich in einer sehr kritischen Phase. Gerade die kleinen Einzelhändler in den Veedeln verfügen oft nicht über große Rücklagen, um diese Entwicklung kurz- und mittelfristig zu überleben.

Wie wichtig ist jetzt die Solidarität der Kunden?

Schmidt: Die Solidarität der Kunden zu ihren lokalen Händlern oder Gastronomen ist ganz zentral. Wir haben gerade einen Aufruf gestartet, in dem wir dazu appellieren, dass man an die Heimat und die Stadt denkt und dass man jetzt im Internet auch bei den Händlern vor Ort bestellt, anstatt auf den großen Plattformen. Da geht es darum, dass das Leben in der Stadt auch nach der Krise aufrechterhalten werden kann. Die großen Händler in der Innenstadt wie Kaufhof, Karstadt, WMF oder P&C sind gut im Internet vertreten. Das gilt auch für die Kosmetik- und die Buchbranche. Bei manch kleinem Einzelhändler im Veedel ist die Internetpräsenz dagegen noch nicht optimal. Jedem muss jetzt klar sein, wenn er sich dem Internet verschließt kann er nicht überleben.

Was droht durch die Krise und was kann dem Einzelhandel nachhaltig helfen?

Schmidt: Mittelfristig problematisch ist, dass sich die Leute an das bequeme Bestellen von zu Hause per Internet gewöhnen. Das bedeutet für den Handel vor Ort, wenn da nicht noch etwas passiert, eine sehr schwierige Situation. Wir haben schon vor der Krise die Leerstände auf der Hohen Straße und der Schildergasse gesehen. Das könnte sich jetzt verschärfen. Denn wir könnten gerade viele kleine und mittlere Händler durch die Krise verlieren, wenn keine schnelle Unterstützung von Bund, Land und den Kommunen kommt. Es geht darum, jetzt die Lücke bei der Liquidität zu schließen. Kredite helfen da nicht weiter, da diese von den Händlern nicht zurückgezahlt werden können. Da braucht es andere Konzepte bei der Unterstützung. Wir sehen, dass der Wille zur Unterstützung durchaus jetzt vorhanden ist, woran es mangelt, ist die praktische Umsetzung. Bei unseren Mitgliedern herrscht eine gewisse Unruhe, auch weil man die Ansprechpartner für die schnelle Hilfe nicht kennt. Bislang kann man nicht einfach zur Bank gehen und bekommt dort das zugesagte Geld. Das wird wohl leider noch einige Zeit dauern, bis die Hilfe wirklich ankommt. Da muss jetzt schnell eine neue Kultur der Hilfe entstehen, auch im Verhältnis von Mietern und Vermietern.

Wie wird sich Köln durch Corona verändern?

Schmidt: Die Stadt wird sich verändern, das gilt vor allem für das Miteinander und die Solidargemeinschaft. Es bedarf jetzt den Schulterschluss, der emotional alles zum Positiven hin verändert. Die Stadt wird nach der Krise nicht mehr so sein wie davor. Ellenbogen müssen verschwinden, dafür ist Solidarität angesagt.

Wie gehen Sie ganz privat mit der Bedrohungslage derzeit um?

Schmidt: Man fängt an, anders zu denken und alte Gewohnheiten wie zum Beispiel ein Spieleabend werden wieder hervorgeholt. Ich lese sehr viel und auch ein Spaziergang gehört dazu, denn die Ärzte raten zur frischen Luft. Ansonsten habe ich gerade bei Stadtmarketing sehr viel zu tun. Wir müssen jetzt unseren Mitgliedern mit Tat und Rat zur Seite stehen.

Zurück zur Rubrik Kölner Wirtschaft

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Kölner Wirtschaft

rheinenergie_pixa_21072021

Köln | aktualisiert | Jetzt jubeln sie sich selbst in warmen und unkonkreten Worten zu: Die Aktivisten des Bündnisses Klimawende Köln, das kommerzielle städtische Unternehmen Rheinenergie und bisher wenig grün sowie die Verwaltung der Stadt Köln selbst in einer Mitteilung an die Öffentlichkeit. Es wird so wenig konkret wie möglich ein Hinterzimmerkompromiss zur Dekarbonisierung des Kölner Energieversorgers Rheinenergie in blumige Worte gefasst.
--- --- ---
Redaktioneller Hinweis: Mittlerweile gibt es erste schriftliche Statements der Ratsfraktionen, die am Ende des Textes eingefügt, beziehungsweise ergänzt werden.

BAHNKNOTEN_STEP_09072021

Bund finanziert Machbarkeitsstudie mit 800.000 Euro

Köln | Die Hohenzollernbrücke gehört zu den meist genutzten Eisenbahnbrücken Deutschlands. 440.000 Züge mit 100 Millionen Fahrgästen sind dort jedes Jahr unterwegs – dabei ist die Brücke mit ihren sechs Gleisen ein echtes Nadelöhr, dessen Kapazität immer mehr an seine Grenzen kommt. Täglich sind dort mehr als eine halbe Million Pendler unterwegs. „Das ist die Hauptschlagader im Bahnknotenpunkt Köln. Wenn es hier Störungen gibt, hat das Auswirkungen auf das Fahrgeschehen in ganz Deutschland. Wir müssen hier mehr Kapazitäten schaffen, die dringend benötigt werden“, sagt der Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn, Ronald Pofalla auch mit Blick auf große Verkehrsprojekte wie die jüngst vorgestellte Westspange der Bahn oder der Ausbau der S11 und der Erft-S-Bahn.

innenstadt_pixa_09072021

Berlin | Der Deutsche Städtetag will die Innenstädte vor der Verödung bewahren.

icons_sm_12092015w

Facebook     |     Twitter     |     RSS

Kölner Karneval

3_g_10012020klein

Karneval bei report-K

Aktuelles aus dem Kölner Karneval – das ist Karnevalzeitung, die jecke digitale Beilage von Kölns Internetzeitung report-K. Videoreportagen und Sitzungskritiken. In der Karnevalsplauderei finden sich Gespräche mit Musikern, Bands, Rednern, Zwiegesprächen, Traditionskorps, Karnevalsgesellschaften, Tanzgruppen und all denen, die im Kölner Karneval wichtig sind.

Zur jecken Beilage Karnevalzeitung >

Designer*innen-Gespräche

designerinnen_gespraeche300_20012019

Design Parcour Ehrenfeld 2019 im Rahmen der Passagen. 18 Designer und Designer*innen traf report-K, Internetzeitung Köln, zum Gespräch im Video-Livestream.

Designer*innen Gespräche zum Nachsehen >