Düsseldorf | Frauen in Nordrhein-Westfalen verdienen rund ein Viertel weniger als Männer. Dies geht aus dem ersten Frauen-Daten-Report hervor, den der Deutsche Gewerkschaftsbund NRW am Donnerstag in Düsseldorf vorstellte. „Von tatsächlicher Gleichberechtigung sind wir in Nordrhein-Westfalen noch weit entfernt“, sagte der Landesvorsitzende des DGB, Andreas Meyer-Lauber. Der Report vergleicht die Situation von Frauen und Männern während der Schulzeit und der beruflichen Ausbildung, im Beruf und in der Rente seit dem Jahr 2000.

Es wäre falsch zu behaupten, dass sich in den vergangenen Jahren nichts bewegt hätte, sagte die Bezirksfrauensekretärin des DGB NRW, Carmen Tietjen. Frauen seien heute in der Schule erfolgreicher. Aber: „Mit dem Abschluss der Schulzeit findet die weibliche Erfolgsgeschichte für die meisten Frauen ein jähes Ende.“ Während jede dritte Frau in NRW einen Niedriglohn beziehe, sei es bei den Männern nur jeder siebte, hieß es. Die Niedriglohnschwelle liegt in Westdeutschland bei 1.890 Euro brutto.

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Die Ungleichheit beginnt bei der Berufswahl

Wenn Frauen und Männer einen Beruf wählten, täten sie das weiterhin nach alten Rollenbildern und stereotypen Zuschreibungen, hieß es. So ist bei weiblichen Auszubildenden der Beruf der Verkäuferin der beliebteste, bei Männern ist es der Kfz-Mechatroniker. Problematisch daran sei, dass die typischen Frauenberufe wesentlich schlechter bezahlt seien als sogenannte Männerberufe. Bereits in der Ausbildung bekomme der Kfz-Mechatroniker rund 200 Euro mehr als die Verkäuferin.

Ein weiterer Grund, warum Frauen durchschnittlich 25 Prozent weniger verdienen als Männer, liege an der Art ihrer Beschäftigung. Rund die Hälfte der Frauen in NRW hat lediglich einen Minijob, arbeitet in Teilzeit, befristet oder als Leiharbeiterin. „Hier hat sich der Trend in den letzten Jahren sogar verstärkt“, erklärte Tietjen. Und auch in den Führungspositionen seien Frauen weiterhin deutlich unterrepräsentiert. So zum Beispiel auch in den Leitungsebenen des öffentlichen Dienstes in NRW: Bis auf die Grundschulen liege der Anteil der Frauen in allen Bereichen bei unter 30 Prozent, hieß es.

Auch bei der Rente sieht es schlecht aus: Ende 2011 standen Frauen in NRW durchschnittlich 491 Euro pro Monat zur Verfügung – Männern mit 975 Euro rund doppelt so viel.

Der DGB fordert deshalb unter anderem einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro. Minijobs müssten ab dem ersten Euro sozialversicherungspflichtig werden, und sogenannte Frauenberufe sollten durch eine bessere Entlohnung und bessere Arbeitsbedingungen aufgewertet werden. Außerdem müssten Familie und Beruf besser vereinbar werden.

Autor: Kathrin Aldenhoff, dapd

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